GR Aktuell


Die GABL im Gemeinderat

Stellungnahmen und Meinungen zu aktuellen Themen

Stellungnahme der GABL zum Haushalt 2021

Fritz Schlicher:

Vor einem Jahr saßen wir beisammen und verabschiedeten den Haushalt für 2020. Das war am 27.Januar . Am 28.Januar meldete die Tagesschau den ersten Corona Fall in Deutschland. Gesundheitsminister Spahn wurde in der Sendung zitiert: „er sieht Deutschland gut vorbereitet“. Herr Scheef (SPD) hatte in seiner Stellungnahme damals von Tibetischen Staatsorakel gesprochen. Vielleicht hätte es uns entgegen seiner Meinung doch geholfen.

Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht was auf uns zu kommen würde, Pläne wurden Makulatur, Einschätzungen erwiesen sich als falsch.  Anlass zum Nachdenken! Ich habe persönlich neu gelernt, dass wir nicht in einer Blase leben. Wir sind Teil der Welt.  Wir sind verletzlich. Und ich habe neu begriffen: Was Menschen weit weg passiert, kann uns nicht egal sein. Ihre Probleme werden ganz schnell auch unsere Probleme. Es gibt eine wunderbare biblische Metapher: viele Glieder – Ein Leib. Jedes ist wichtig. Was am einem Tag unwichtig erscheint, ist am nächsten unverzichtbar. Das Pflegepersonal, die Krankenschwestern, die Busfahrer*innen, die Müllmänner, um nur einige zu nennen. Sie können davon ein Lied singen.

Rückschau darf nicht Abrechnung sein. Demut wäre angebrachter. Viele Menschen haben Furcht und möchten schnell wieder ihr altes Leben zurück. Das ist ein Traum. Eine derartige Krise verändert den Lauf der Geschichte. Kultur, Werte und Wahrnehmung. Wir haben das am eigenen Leib erlebt. Das Nahe, die kleinen Dinge, die Nachbarn werden wichtig. Soziale Themen, Umwelt, Gesundheit und auch die Sicht auf den Klimawandel haben eine neue Qualität.  Viele erkennen in der verordneten Zwangspause durchaus, dass das „alte Normal“ auch seine Schattenseiten hatte, dass es auch aufreibend und wenig nachhaltig war.

Unsere Vorfahren hatten ihre Grenzerfahrungen und Umbrüche mit zwei verheerenden Weltkriegen. Die weltweite Corona Krise hat das Potential die historische Zäsur für uns heute zu werden.

Aber es ist die vermutlich größte Errungenschaft des Menschen, dass er aus schlimmen Krisen lernen und etwas Gutes daraus machen kann.

Der der aktuelle Haushalt fällt nun in den zweiten Lockdown und ist ein Krisenhaushalt. In einigen Nachbarländern droht bereits eine dritte Welle. Die Aussichten, auch für 2022, sind unsicher. So schnell wie wir in die Krise hineingeraten sind, umso länger wird es wohl dauern um wieder in ruhigeres Fahrwasser zu kommen. Ich denke es macht sich niemand Illusionen darüber, dass der „Wumms“, die Schulden, die gegen die Auswirkungen der Krise aufgenommen wurden, über kurz oder lang in den kommunalen Haushalten ankommen werden. Wir sind schon seit jeher stark angewiesen auf Ausgleichszahlungen und Umlagen aus den Töpfen von Bund und Land. Und diese sprudelnden Quellen hängen praktisch zu 100% an der Konjunktur. Für die Wirtschaft kommen aber gleich mehrere Belastungen zusammen. Wir erinnern uns allzu gut, dass im letzten Quartal 2019 schon eine Eintrübung zu erkennen war. Zur Zeit gibt es zwar eine Erholung mancher Industriezweige, die wird aber schon gleich gebremst durch fehlende Zulieferung von Halbleiterchips. Das ist dann auch schon eines der Probleme: die übergroße Abhängigkeit von fernöstlichen Ländern. Dazu eine strukturelle Krise durch den Technologiewechsel der Antriebstechnik. Und als Verstärker dann noch Corona.

Die Lage in Rutesheim spiegelt das wieder. 2020 haben uns die Folgen der Pandemie bereits moderat erreicht. Das geflügelte Wort vom „blauen Auge“ war zu hören. Aber „davon gekommen“ sind wir noch lange nicht. Zu allen äußeren Sorgen haben wir auch in Rutesheim ein hausgemachtes Problemchen, das zum strukturellen Problem werden kann. Wir wollen wachsen, weisen Baugebiete aus, generieren Infrastruktur und Folgekosten,  und müssen daher noch mehr Baugebiete ausweisen um die Finanzierung hinzubekommen. Wir sehen diesen Kreislauf von Investitionen und Erlösen in allen Haushalten, die wir mitgestaltet haben. Man gewinnt sogar den Eindruck, dass die Pendelbewegungen größer werden, dass die Summen um die es geht, immer höher werden. Das hat etwas mit steigenden Gund- und Baukosten zu tun.  Gleichzeitig dreht sich die Welt gerade etwas langsamer. Das hat etwas mit Corona zu tun.  Was wir heuer sehen ist ein sehr kräftiger Ausschlag von 11 Mio Euro nach unten, der sich, nach heutiger Sicht erst in zwei, drei Jahren wieder ausgleicht. Insofern könnte man Entwarnung geben. Das wird schon wieder. Aber hier beginnt das Grundsätzliche: es gibt limitierende Faktoren: Diese Auf und Abs leben letztlich vom Flächenverbrauch.  Und der ist spürbar zu hoch in Rutesheim. Jeder weiß irgendwie: das kann auf Dauer so nicht weitergehen. Der Flächenverbrauch ist weitaus höher als der Bevölkerungszuwachs. Aber den Teufelskreis zu verlangsamen und am Ende aufzubrechen wird eine schwere Aufgabe.

Der vorliegende Haushalt ist von uns vorberaten. Er birgt ein paar Unsicherheiten, wir stimmen ihm letztlich zu. Denn – und das ist wichtig – er lässt genug Spielraum zum Diskutieren, Korrigieren und Weichen stellen.

So wurde zum Beispiel -ich denke es war von Seiten der BWV- die Diskussion angestoßen, die Sonderrücklage aus den EnBW Aktienerlösen aufzulösen. Wir meinen: Ja und Nein.

„Nein“ – die beschriebenen Auf und Abs bewegen sich ziemlich genau um diesen Wert von etwa 9 Mio Euro. Die Sonderrücklage hat uns also den Handlungsspielraum verschafft, der für das dynamische Wachstum Rutesheim nötig war. Das sprichwörtliche Rutesheimer Tempo basiert auf ihr.

Andererseits : wir wollen das Wachstumstempo drosseln und wir brauchen andere Arten der Finanzierung. 2020 haben wir, um den HH nicht noch weiter zu belasten, den Kauf von Anteilen an der Netze BW verschoben. Die Idee dazu ist richtig. Wir beteiligen uns an der öffentlichen Infrastruktur, sprich Daseinsvorsorge, und dürfen mit einer 3%igen Rendite rechnen. Damit schaffen wir einen Baustein für eine nachhaltigere Finanzierung.

Darum auch ein „Ja“. Genau um den Betrag dieser Anteile von 2.6 Mio Euro dürfen wir auch unsere  Sonderrücklage verringern.  Das erscheint gerechtfertigt und fair gegenüber den nachfolgenden Generationen.

Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit Finanzen führt direkt zum Thema Abschreibungen. Unterm Strich reden wir heuer von 4.1 Mio Euro. (Dabei die Bestandsaufnahme ist noch nicht ganz komplett). Das sind keine virtuellen Kosten, wie manche denken. Das ist  uns 2020 deutlich vor Augen geführt worden. Was ist passiert?  Das Abwassernetz ist ein Teil des kommunalen Vemögens. Eine Gesamtschau des Abwassernetzes erbrachte ein alarmierendes Ergebnis. Alle hier waren von dem Ausmaß der Schäden überrascht. Noch schlimmer sogar: Manche Erkenntnisse lagen seit 10 Jahren in der Schublade und notwendige Sanierungen wurden, vermutlich aus Spargründen, hinaus geschoben. Nun brauchen wir eine neue Bestandsaufnahme für 40000 Euro und die Umweltschäden können gar nicht bilanziert werden.  Das sollte so nicht sein – und das wurde auch erkannt. Das Abwassernetz wird sukzessive und planmäßig saniert werden. Das sind mehrere Millionen Euro in den nächsten Jahren, in diesem Jahr 680.000 Euro. Natürlich: während wir am einen Ende reparieren, verschlechtert sich am anderen Ende schon wieder der Zustand. Der Erhalt des Abwassernetzes ist eine Daueraufgabe. Finanziell und technisch. Wir begrüßen sehr, dass Frau Willink im letzten TA einen Plan für 2021 vorgestellt hat. Einen solchen jährlichen Zustandsbericht und Maßnahmenplan möchten wir als dauerhafte und verbindliche Einrichtung etablieren.

Wir haben einen derartiges Monitoring beim Gebäudemanagement, bzw. Energiemanagement. Wir tun es beim Wald und bei Feldwegen. So sollten wir das mit dem Abwassernetz auch handhaben. Und wo es sinnvoll ist, auch an andren Stellen.

Fazit: Das ungeliebte Thema Abschreibungen schärft den langfristigen und systematischen Blick auf unsere Infrastruktur und Gebäude. Es gibt Themen, da ist das gerne praktizierte „auf Sicht fahren“ nicht die beste Wahl.

Nach unserer Meinung gilt das Gesagte auch für die Ressourcen, die (noch) nicht zu den gesetzlich vorgegebenen Abschreibungsobjekte  gehören:  Boden, Luft, Umwelt, Wasser und das Klima.

Manche Kommunen gehen mutig voran, andere scheuen noch konkrete Festlegungen auf Ziele und Maßnahmen. Rutesheim gehört zu letzteren. Aber das soll und wird sich bestimmt ändern. Wir hatten versucht eine Produktgruppe Klimaschutz in der Doppik zu verankern. Das wurde leider abgelehnt. Im Zuge der letzten Haushaltsberatungen hatten wir formuliert : Rutesheim wird CO2- frei bis 2035. Ohne Resonanz. Aber die Fronten bröckeln: Sowohl CDU, als auch die UBR hatten das Thema in ihrer Stellungnahme aufgenommen und zu Recht darauf hingewiesen, dass zwar viel gemacht wurde, dass aber noch mehr notwendig und auch möglich ist.

Nun haben wir 2021 und die Welt ist eine andere. Nehmen wir die Abwahl des amerikanischen Ober-Klimaleugners als Neuanfang und lassen Sie uns die Sache gemeinsam ohne Scheuklappen angehen. Klimaschutz war viel zu lange eine Frage der politischen Einstellung. Wir sollten das schleunigst beenden bevor es endgültig zur Generationenfrage wird.

Wir regen darum an, ins nächste Arbeitsprogramm des Gemeinderates das Arbeitspaket Klimaschutz aufzunehmen. Wir sind gewiss, aus den Arbeitskreisen des STEP werden genügend gute Impulse kommen. Die Doppik beschreibt einen wirkungsorientierten Haushalt. Der kann bei uns so funktionieren: aus dem STEP folgen haushaltspolitische Leitbilder zum Klimaschutz und aus diesen entsteht ein konkretes Arbeitsprogramm. Und das wird dann abgearbeitet.

Das waren ein paar grundsätzlich Dinge. Frau Berner geht nun auf einige Einzelthemen ein, die wir zum Teil bereits im vergangenen Jahr angesprochen hatten und heuer nochmal vertiefen wollen.

Claudia Berner:

Wohngebiete. Die dringende Frage nach Wohnraum ist ein Thema bei allen Fraktionen. In Perouse sind wir gegen eine Erweiterung von Vallon2. Wir setzen auf die Krautgärten als nächstes Baugebiet. Soweit besteht Konsens. Wir denken aber, wir sollten bereits jetzt etwas mehr tun als nach und nach die Grundstücke aufkaufen. Wir denken an ein attraktives städtebauliches Konzept als Motivation um die Verkaufsbereitschaft zu erhöhen.  Wir streben dabei einen besonderen sozialen Anspruch an. Mit zeitgemäßen Wohnformen, um Alt und Jung, Pflegebedürftig und Mobil in ansprechendem städtebaulichen Rahmen zusammen zu bringen. Eine positive Vision – schon heute.

Im Kernort liegen die Dinge anders. Das Baugebiet Nö. Schelmenäcker ist im Werden und das nächste große Gebiet wird das Bosch Areal. Dort gibt es die positive Vision schon. Es wird den Bedarf an Wohnraum gut decken und wir freuen uns auf die Realisierung. Das soll mit der nötigen Liebe zum Detail geschehen. Darum ist eine Fokussierung auf Bosch gut und richtig. Auch finanziell wird es eine Herausforderung, bei der noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Wir rechnen mit einer Größenordnung um die 8Mio Euro. Wir appellieren eindringlich, sich jetzt nicht in Gewinnoptimierung zu versteigen. Es ist sicher keine einfache Entscheidung, wenn man nach Jahrzehnten einen Standort schließt. Da wäre es aber doch ein würdiger Abschluss, wenn gleichsam als Neuanfang etwas zum Nutzen für viele Menschen entsteht, auch für solche mit kleineren Einkommen.

Gewerbe. Auf der Einnahmeseite soll das Gewerbegebiet Gebersheimer Weg stehen. Wir sehen Fragezeichen. Alle bisherigen Planungen sind auf einen einzigen Investor im Westen und einige kleinere im Osten ausgelegt. Nun verkündet schon die Stuttgarter Zeitung, dass der Käufer AKKA abspringen will. Das stimmt zwar so nicht, aber wie bei allem gibt es einen Kern Wahrheit: „Nichts genaues weiß man nicht“. Wenn AKKA ausfällt, dann wird wohl nicht gleich ein neuer vergleichbarer Investor mit Interesse am der gesamten Fläche vor der Tür stehen. Und einen Logistiker wollen wir nicht.  Sollte das Gebiet letztlich aufgeteilt werden müssen, dann müssen Umplanungen mit den neuen Randbedingungen stattfinden. Inklusive politischer Meinungsbildung, denn die Nähe zum Friedhof setzt einige Grenzen, die beachtet werden sollten. Das braucht Zeit und in Druck wollen wir nicht geraten nur um die Bilanz im Haushalt 2021 zu retten.

Unsere liquiden Mittel nähern sich der Mindestreserve von ca 500000€ . Etwas für Rutesheimer Ohren ungewohntes könnte zur Realität werden. Eine Kreditaufnahme ist nicht ausgeschlossen -bei weiterem schlechten Verlauf dieses Jahres ist sie sogar sehr wahrscheinlich.

Es gibt auch Anlass zur Freude. Die Erweiterung des Porsche Geländes an der Leonberger Straße – wir hatten schon letztes Jahr abgelehnt, dass auf den markanten Flächen am Ortseingang Streuobstwiesen in Parkplätze verwandelt werden sollten. Die Einsicht hat sich durchgesetzt, dass Flächen ein hohes Gut sind, das besser genutzt werden kann. Wir werden es begrüßen wenn wirklich anstatt Parkplätzen Gebäude dort entstehen und auch die Stadtkasse wie auch die ehemaligen Grundbesitzer würden den gestiegenen Wert wohl auch gerne sehen. Das soll uns ermutigen, auch gegenüber Weltfirmen die eigenen Ansprüche deutlich zu formulieren und nicht vorschnell wertvolle Flächen unter Wert preiszugeben.

Denn die Firmen gehen eines Tages wieder. Rutesheim bleibt. Soviel ist sicher.

Viele Bürger fragen, warum überhaupt Gewerbe. Die Welt wäre schöner ohne. Die Antwort ist: eine souveräne Entwicklung und ein eigenständiger Charakter einer Kommune leben vom florierenden Gewerbe und den damit verbundenen Gewerbesteuern. Rutesheim sollte also ein attraktiver Gewerbestandort sein. Dabei geht aber wie immer Qualität vor Quantität. Trotzdem bleibt ein bitterer Nachgeschmack: wenn 10000 qm innerörtliche Gewerbefläche für Wohnbau umgewidmet wird, wieso braucht es dann 34000 qm neue Gewerbeflächen am Ortsrand?

Kinderbetreuung. Erfreulicherweise gibt es in Rutesheim überdurchschnittlich viele kleine Neubürger*innen. Sie können sich über eine zunehmende Anzahl von Betreuungseinrichtungen freuen. Das ist zeitgemäß und gut so.  Die Einrichtungen bauen und betreiben müssen die Kommunen. Trotz Zuschüssen vom Land bleibt es für die Kommune letztlich eine –auch finanzielle- Aufgabe. Aber eine, die wir gerne tun. Trotz aller Sorge über die dauerhafte Finanzierung.

Ein Thema, das in diesem Zusammenhang immer wieder auftaucht ist die Frage nach den Gebühren. Am schönsten wäre es ohne. Darauf haben wir als Kommune wenig Einfluss. Was wir aber tun können ist eine hohe Qualität zu bieten, um die Beiträge zu rechtfertigen. Und wir müssen dafür Sorge tragen, dass niemand aus finanziellen Gründen seine Kinder nicht in unsere Einrichtungen schicken kann. Kinderbetreuung ist unter anderem ein wichtiger Teil von Sprachförderung und Integration. Und gerade bei diesen Kindern ist unsere Solidarität besonders gefordert – auch finanziell.

Was tut sich? Der Hort an der Realschule wird fertig und ist ein weiteres gelungenes Beispiel dafür, dass unser Bauamt in Eigenverantwortung gut, termingerecht und ohne Kostensteigerungen solche mittelgroßen Projekte stemmen kann. Wir sind zuversichtlich, dass das auch beim neuen Kindergarten in Perouse gelingen wird.

Eine offene Frage bleibt bei der Kinderbetreuung in Rutesheim. Am Platz für die Kita an der Bahnhofstraße ist noch Leere. Vielleicht sogar ein kleines Glück im Unglück. Die angebotenen Preise von nahezu 9 Mio Euro hätten den Finanzrahmen vollends gesprengt. Aber wird es später günstiger werden? Wir als Fraktion waren mit dem Standort nie ganz glücklich und hatten für eine andere Lösung plädiert. An der könnte jetzt schon gebaut werden.

Ökokonto. Wir haben viel über unser Ökokonto gesprochen im vergangenen Jahr. In der Tat sehen wir das Ökokonto auch als Teil des Haushaltes. Es ist gut dass wir in den letzten beiden Jahren das Potential durch das Büro KMB (und ein paar Vorschläge der GABL) erfasst haben. Wir haben damit sogar für zukünftige Vorhaben schon heute sinnvolle Maßnahmen definiert. Unser Ziel ist und bleibt ein ökologischer Ausgleich auf eigener Markung. Das spart Geld und erhöht die Schönheit der Rutesheimer Landschaft. Wir wissen, das gefällt nicht jedem. Aber es ist doch so: Nur ein gesundes Ökosystem hier vor Ort erhält uns langfristig die Ernährungsgrundlagen und die Erwerbsgrundlagen der Landwirte.

Ein verwandtes Thema und ein wunderschönes Wort. Freiflächenöffnungsverordnung – Baden-Württemberg. Die Errichtung von Solarparks auf sogenannten benachteiligten Flächen wird erleichtert. Wir regen an zu prüfen, wo zum Beispiel senkrechte Solarpaneele auf Freiflächen möglich sind. Die Bewirtschaftung, oft nur Gülle ausbringen und Mähen, wäre immer noch möglich. Es gibt übrigens seitens des Gemeindetages Gedanken,  dass solche Anlagen als Ökopunkte gewertet werden sollten. Das wäre auf jeden Fall ein tolles Aushängeschild, das zu Recht das Prädikat „innovativ“ tragen würde. Abgesehen von der damit verbundenen Rendite.

Radverkehr. Da sind wir schon gut unterwegs.Aber auch hier kann man Geld sparen und trotzdem noch weiter vorankommen. Ich zitiere aus einem Rundschreiben des Landttagsabgeordneten Brend Murschel: „Mit einer Ergänzungsfinanzierung des Bundesprogramms aus LGVFG-Mitteln erhalten Kommunen in Baden-Württemberg attraktive und nie dagewesene Finanzierungshilfen mit Fördersätzen von bis zu 90 Prozent der zuwendungsfähigen Investitionskosten. Schnell sein lohnt sich, denn vorerst fördert der Bund nur Projekte, die bis 2023 fertiggestellt werden.“ Das klingt wie ein Ansporn, der genau zu unserem STEP, bzw Mobilitätskonzept passt.

Natürlich wollen wir den Ergebnissen nicht vorgreifen. Nur so viel: wir stehen für einen klugen Verkehrsverbund, der sich von der einseitigen Fixierung auf den Autoverkehr emanzipiert. Das gilt  analog für die sehr ungleichen Prioritäten bei den finanziellen Aufwendungen und Investitionen.  Wenige Einschränkungen für Autofahrer bedeuten mehr Mobilität und Freiheit für Alle.

Personalkosten. Eingangs habe ich Berufe genannt  die fürs sozialen und gesellschaftliche Leben unverzichtbar sind. Dafür sollten sie ein angemessenes Gehalt bekommen. Das sagt Verdi und aktuell auch ein Großteil der Bevölkerung. Wenn es ums Geld geht, hört aber bei vielen die Begeisterung auf. Diese Berufsgruppen bilden den größten Teil der bei der Stadt Rutesheim beschäftigten Menschen. Das müssen wir beherzigen. Die verhalten kritischen Anmerkungen der Vorredner beschreiben ein Dilemma. Wir denken, anstatt zu lamentieren, sollten wir lieber froh sein, dass wir gutes und genügend Personal haben. Das ist nicht selbstverständlich. Zufriedene Mitarbeiter machen eine gute Arbeit. Qualität ist der Schlüssel. Man landet hier sehr schnell beim Thema Digitalisierung. Mehr und bessere Dienstleistungen rechtfertigen dann auch angemessene Gebühren.

STEP. Die Coronakrise ist eine Zäsur für unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben. Unser STEP kommt daher genau zur rechten Zeit. Wir haben die einmalige Chance mit den Bürger*innen zusammen Visionen für ein Rutesheim nach Corona zu erarbeiten. Das kann man gar nicht genug schätzen! Schon der Weg dahin, mit Transparenz und Bürgerbeteiligung, ist ein Heilmittel für sich. Das stärkt gewissermaßen das gesellschaftliche Immunsystem. (Über die Viren, die die Gesellschaft akut bedrohen, will ich mich hier gar nicht auslassen.) Kurz: jeder Euro für den STEP ist eine Investition in die Zukunft.

Das setzt voraus, dass das Potenzial der Mitwirkenden so effektiv wie nur möglich genutzt wird.

Der STEP geht ganz bewusst auf gesellschaftliche, soziale und ökologische Themen ein. Da hat jeder was beizutragen, denn es geht jeden an und jede Meinung ist wichtig. Ich will eindrücklich darauf hinweisen: Scheren im Kopf und Scheuklappen sind absolut fehl am Platz. „Wunschdenken“ ist bei uns kein Makel sondern Triebfeder für Verbesserungen.

Wir haben nach wie vor eine gute finanzielle Ausgangslage, trotz dieses schwierigen Jahres. Und wir haben, das zeigen die ersten Auswertungen des STEP Umfrage ein großes ungenutztes Potenzial bei unseren Mitbürger*innen. Daran werden die Maßnahmen aus dem STEP also nicht scheitern. Es liegt an uns und der Stadtverwaltung die Dinge gut zu kanalisieren, so dass sowohl bürgerliches Engagement als auch finanzielle Mittel effizient und nachhaltig genutzt werden.

Es ist nur ein kleiner Schritt vom STEP zu Ehrenamt. Das Ehrenamt in Rutesheim ist gut etabliert, aber quantitativ unter dem deutschen Durchschnitt. Diese Erkenntnis aus dem STEP hat uns zu Denken gegeben und wir schlagen folgendes vor: was bei der Wirtschaftsförderung gut funktioniert, kann auch dem Ehrenamt helfen. Eine Koordinationsfigur. Bei der städtischen Jugendarbeit ist es ohnehin schon so. Vernetzung, Austausch und Impulse gäben mit Sicherheit neue Qualität und neue Möglichkeiten. Keine Frage, die Praxis der Vereinsförderung ist bisher gut und verlässlich. So verlässlich soll das auch bleiben, auch in Coronazeiten, wo das Vereinsleben sehr eingeschränkt wird. Vereinsförderung ist ein kleiner Hebel, der viel Gutes in Bewegung setzt. Die Idee bei einer stärkeren Koordination ist daher nicht die, einfach mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Wir möchten das Gute noch besser machen und damit noch mehr Menschen als bisher zu erreichen. Keiner zweifelt daran, dass ein gut funktionierendes und sozial engagiertes Ehrenamt ein Gewinn für die Allgemeinheit und eine Erleichterung für die Stadtkasse ist.

Es geht immer zuerst um die Menschen. Wenn nun die Zeiten rauer werden und Im Haushalt Prioritäten gesetzt werden müssen, dann ist das die richtige Leitlinie. Allerdings darf ich einschränken: es geht nicht um Interessen von einzelnen Gruppen oder Personen, so lautstark sie auch vorgebracht werden. Es geht ums Allgemeinwohl! Die schlimme Coronazeit hat bereits etwas bewirkt: unsere Gesellschaft nimmt ohne großes Wenn und Aber riesige Einschränkungen und Mühen auf sich um die Älteren und Schwächeren zu schützen. Das ist großartig und verdient höchste Anerkennung.

In diesem Sinne kommen wir zum Ende und danken allen, die bei der Erstellung dieses Haushaltes mitgewirkt haben und freuen uns gespannt auf die gemeinsame Umsetzung.

Insofern gilt unser Dank allen Menschen in Rutesheim, denn direkt oder indirekt sind alle beteiligt.

Stadtwald in der Krise

In der Sitzung des Gemeinderates am 10.11. wurde sehr lange über die derzeitige Krise des Rutesheimer Waldes beraten. Frau Hormel und Herr Neumann vom Amt für Forsten haben sehr ausführlich und eindrucksvoll über die schlimme Situation und die Perspektiven informiert. (Die öffentlich gezeigte Präsentation finder ihr hier)  

Konnte man lange Jahre den Eindruck haben, dass Naturschützer und Forst auf zwei verschiedenen Seiten des Tisches saßen, hat sich die Situation mittlerweile grundlegend geändert. Schutz und Erhalt des Waldes haben für alle oberste Priorität. Der Auslöser ist unbestritten die Klimaerwärmung, die uns bekanntlich alle betrifft. Sie wird auch nicht verschwinden, wie hoffentlich eines Tages Corona. Kaum jemand, der dies liest, wird miterleben, dass die Klimakrise irgendwie überwunden sein wird. Insofern stehen wir weniger in einer Ausnahmesituation sondern am Anfang einer neuen Ära der Waldwirtschaft. Was in der Sitzung des Gemeinderates besprochen wurde ist immer noch ein traditioneller Wirtschaftsplan und damit verbunden die Hoffnung, dass sich der Wald nach einigen Jahren mit  ein paar neuen Baumarten wieder wirtschaftlich nutzen lässt. Das mag sein, ist aber unserer Meinung nach die falsche Priorität. Wir sollten das in unserem Denken und in unseren Haushalten neu justieren. Wald ist eine Investition in Daseinsvorsorge und nicht ein Wirtschaftsbetrieb und auch kein temporärer Zuschussbetrieb. Der Wald leidet ja nicht nur unter der Klimaveränderung. Gleichzeitig ist er als CO2 Speicher eines der wichtigsten Mittel im Kampf gegen die Klimaerwärmung und ganz nebenbei auch noch das letzte Rückzugsgebiet für unzählige Arten.

Ein intaktes Ökosystem Wald ist für uns darum die Zielsetzung für die Zukunft.

Hier in Rutesheim haben wir mit den Waldrefugien, die ca. 10% der Waldfläche betragen einen guten Schritt gemacht. Das Alt- und Totholzkonzept wurde von der GABL vorgeschlagen und ist auf fruchtbaren Boden gefallen. (Nicht nur -aber auch- weil es dafür sehr viele Ökopunkte zum Ausgleich von Baumaßnahmen gibt) Auch die geplante Aufforstung am Lerchenberg ist unschätzbar wichtig. Genau wie die Aktion 1000 Kommunen – 1000 Bäume.

Wir sollten das konsequent weitertreiben und auch öffentlich kundtun: „Die Lektion ist verstanden. Wir lernen aus Fehlern der Vergangenheit.“ Lange genug haben Waldvernichter und Klimaleugner mit dem Finger auf uns gezeigt und uns vorgeworfen, dass wir’s ja auch nicht besser machen. Belehren wir die Bolsonaros der Welt eines Besseren.

Abwassernetz – Sanierung

Zur Vorgeschichte: eine vollständige Zustandsaufnahme unsere Abwassernetzes ergibt ein bedenkliches Bild. Viele Schäden in den vier Klassen 0-4, allzuviele davon in den schlimmsten Einstufungen 0 und 1, womit akuter Handlungsbedarf besteht.

Unsere Meinung zu dem Vorgehen bei der anstehenden Sanierung:

Wir wiederholen mindestens jedes Jahr die Warnung, dass die rasant wachsende Infrastruktur hohe Folgekosten erzeugen wird. Und dass wir deswegen wachsam bleiben müssen. Der Blick war dabei meist in die Zukunft gerichtet und mit der Zuversicht verbunden, dass wir das schon schaffen werden.

Nun müssen wir erfahren, dass wir schon längst in der Zukunft angekommen sind und das rasante Wachstum unserer Stadt in den letzten Jahrzehnten bereits hohe Folgekosten verursacht hat.

Viele Städte und Gemeinden haben die schlummernde Zeitbombe eines alternden Abwasserrohrnetzes im Boden. Wir sind also nicht alleine mit dem Problem.Leider wurde uns attestiert, dass das unsere in einem unterdurchschnittlichen Zustand ist. Das muss uns Ansporn sein es nicht nur zu reparieren, sondern es auch für die Zukunft widerstandsfähiger und besser zu machen.

Wir sind der Meinung, dass nur das der richtige Weg ist, denn es ist eine Art der Daseinsvorsorge und Fairness gegenüber den kommenden Generationen.

Wir müssen zuerst die schlimmsten Schäden beheben und dazu braucht es einen Finanzierungsplan. Das ist unbestritten. Bis hierher könnte man auch herauslesen, dass wir mit möglichst geringem Aufwand über ein paar Jahre hinweg alle aufgezeigten Schäden abstellen. (grob 4 Mio über 5 Jahre) Das wird nicht reichen. Bereits in einigen Jahren werden die bisherigen Schäden der Stufe 2 und 3 sich verschlechtern. Und es werden wieder neue dazu kommen. Wir sprechen also über eine Daueraufgabe, die in allen zukünftigen Haushalten realistisch veranschlagt werden muss. (100.000€ ?)  Damit alleine ergibt sich aber keine Verbesserung. Eine solche erfordert Systematik. Nicht irgendwann, sondern ab sofort. Nach der systematischen Erkundung müssen genauso konsequent folgende Fragen beantwortet werden:

1. Wie sind die Schäden entstanden? Möglichst in jedem einzelnen Fall ganz konkret und ohne Scheuklappen.

2. Welche Maßnahmen treffen wir um das Eintreten dieser Schäden zukünftig zu vermeiden?

Und 3.Wie überprüfen wir ob die Verbesserungen auch Früchte tragen?

Also Qualitätsmanagement in Reinkultur für das Abwassernetz. Man sollte jetzt nicht dem Fehler verfallen und sagen: das machen wir schon. Das gibt es doch alles. Wenn das so wäre, dann wäre uns die böse Überraschung erspart geblieben. Wir möchten aber keinesfalls Schuldige suchen oder nur nörgeln und Besserwisserei betreiben. Wir möchten die Situation dazu nutzen, einen gangbaren Weg zur langfristigen Verbesserung anzustoßen.

Das ist nicht einfach und nicht selbstverständlich. Besonders jetzt, wo ohnehin hohe Kosten im Raum stehen, wäre es auch noch nötig zusätzliche Ressourcen und Mittel für ein -ich bleibe mal bei dem Namen- Qualitätsmanagement aufzubringen. Im Zomerngarten planen wir bereits die ersten Reparaturen. An diesem Beispiel könnten wir auch gleich üben, mit welchen Werkzeugen sich die vorher genannten Fragen gut beantworten lassen und welche Verbesserungsmaßnahmen in Frage kommen und was sie kosten. Wir sind ehrlich gesagt, nicht so tief in der technischen Materie, um alle Verfahren und Werkzeuge zu kennen. Aber was jeder weiß. die kontinuierliche Verbesserung ist eine undankbare Aufgabe. Man sieht davon nichts, außer, dass es funktioniert – oder eben nicht.

Eine technisch anspruchsvolle Aufgabe, die viel Verantwortungsbewusstsein erfordert und mit der keine Wahl zu gewinnen ist. Wir sind aber davon überzeugt, dass so auf lange Dauer (wir sprechen da über Jahrzehnte) ein hoher Standard erreicht werden wird. Davon würden zukünftige Haushalte profitieren und die Umwelt würde auch profitieren. Denn darum geht es um letztlich: intakte Abwasserrohre sind eine Voraussetzung für sauberes Trinkwasser und die Gesundheit der Menschen.

Wir regen an, ab sofort die personellen Ressourcen und Mittel, inklusive notwendiger Fortbildungen bereit zu stellen. Das wäre nach unserem sehr groben Schätzungen zunächst 20%, auf Dauer 10% der Arbeitszeit einer Mitarbeiter*in.

Nachsatz: die erste Reaktion reicht von keine Reaktion bis „zu teuer“.

Wir meinen: eigentlich müsste es einen langfristigen Plan geben, den nicht nur die Sanierung des kompletten Netzes beinhaltet, sondern darüber hinaus einen Umbau des fast überall bestehenden Mischsystems in ein Trennsystem als Vision hat. Eine gewaltige Aufgabe – und wirkliche Zukunftsvorsorge.


Stellungnahme der GABL zum B-Plan Gebersheimer Weg

Heute steht nach langer Vorarbeit der Bebauungsplan Gebersheimer Weg zur Abstimmung. Das Projekt reift nun schon mehrere Jahre , angestoßen durch den Wunsch der Firma MBTECH in Rutesheim einen großen Standort zu errichten. Unsere Fraktion ist den Weg mitgegangen, schon um die durch den Bosch-Wegzug entfallenden Arbeitsplätze zu kompensieren. Das war für grüne Herzen nicht immer einfach, wir hatten insbesondere große Probleme mit dem östlichen, nicht von MBTECH benötigten, aber ökologisch hochwertigen Teilstück. Dieses Gewerbegebiet stellt schließlich den größten Flächenverbrauch in Rutesheim seit langem dar. Die Suche nach Ausgleichsmaßnahmen und die Frage nach Entwässerung war entsprechend schwierig. Wir haben daraufhingewirkt, den vollständigen Ausgleich auf Rutesheimer Markung zu bewerkstelligen. Und wir sind froh und auch ein wenig stolz, dass das erreicht wurde.

Der westliche, MBTECH Teil ist so geplant, dass Versickerung, Sicht- und Lärmschutz zum Friedhof hin so optimal wie möglich realisiert werden. Das ist der, von uns allen getragene, Stand der Planung.

Nun haben wir aber das Jahr 2020 , MBtech heißt jetzt AKKA , und da ist Corona und eine handfeste Krise der Automobilindustrie. Es gibt also eine minimale aber nicht völlig auszuschließende Möglichkeit, dass AKKA anders oder gar nicht bauen kann oder will. Der Gedanke ist nicht schön, muss aber in dieser besonderen Zeit erlaubt sein. Einen Weg zurück auf Null gibt es nicht, viel zu viel ist an Vorarbeit geschehen und an Grundverkäufen getätigt. Man muss also eigentlich für diesen B-Plan einen Plan B im Hinterkopf haben. Wir haben uns darüber Gedanken gemacht. Dazu nur so viel: In der Begründung des B-Planes geht es viel um AKKA, schon alleine deshalb gibt es für uns keinen Automatismus, die Grundstücke ohne gründliche konzeptionelle Beratung an andere Interessenten zu veräußern. Der Maßstab für jegliche eventuell notwendige Neuausrichtung ist für uns der Gedanke der Nachhaltigkeit. Darum treten wir dafür ein, dass, egal wie und unter welchem Kostendruck auch immer, keinerlei Verschlechterung zum jetzigen Planungsstand eintritt.

Von den eingegangenen Einwänden wollen wir einen aufgreifen, der uns selbst bei den Beratungen schon mehrfach beschäftigt hat, für den aber keine befriedigende Lösung gefunden wurde. Die gute Anbindung des Gebietes an die Umgehungsstraße ist zu Recht Teil der Begründung. Die Umsetzung stellt diesen Effekt in Frage, denn ein großer Teil des Verkehrs wird den Weg über die Dieselstraße wählen. (Jeder fährt lieber geradeaus anstatt links abbiegen zu müssen. Insbesondere wenn das Fahrziel in Richtung Renningen liegt.) Das ist von uns so nicht gewollt, und daher sind wir froh um den Einwand der Anwohner. Wir als Stadt wollen den Durchgangsverkehr in der Dieselstraße minimieren, dazu braucht es lenkende Eingriffe. Es gibt schon die Ansätze, die die Einfahrt in die Dieselstraße optisch unattraktiver machen: Rückbau der überdimensionierten Einmündung, ein rot markierter breiter Radweg ist zu queren. Hinzu schlagen wir einen gepflasterten Fußgängerüberweg und eine Bepflanzung der Verkehrsinsel am nördlichen Ende der Dieselstraße vor.

Am wirkungsvollsten wäre aber nach unserer Meinung eine leichte Verschiebung der Zufahrt nach Osten. Das ist keine fundamentale Änderung, aber die Wirkung wäre groß.

Wir haben, um das besser zu verdeutlichen eine Skizze erstellt.

Die Grundidee ist eine eindeutige und lenkende Ausrichtung auf die Nordumfahrung Auf diesem Vorschlag ist auch die Idee einer Fahrbahnmarkierung und ein verbesserter Rad- Fußweg eingezeichnet. Um die Details soll es jedoch heute nicht gehen.

Wir stellen den Antrag, mit der Idee einer Verlegung der Zufahrt dem Einwand der Anlieger der Dieselstraße (und gewiss vielen anderen Mitbürger*innen ) Rechnung zu tragen.

Nachtrag: dieser Antrag wurde am 11.5.2020 mit 14 : 3 Stimmen, bei einer Enthaltung abgelehnt.

Skizze : alternative Zufahrt

Antrag der GABL zum Haushalt 2020

Bündnis „Städte Sicherer Häfen“


Das traurige Thema „Bootsflüchtlinge“ begleitet uns seit einigen Jahren. Auch im Jahr 2019 sind über 1200 Menschen auf der Flucht übers Mittelmeer ertrunken. Nach der Einstellung der EU Rettungsmission „Sophia“ ist die Rettung vollständig auf Hilfsorganisationen wie Sea-Watch oder Sea-Eye ausgelagert. Wie zunehmend schwierig sich das gestaltet, hat das Drama der Sea-Watch 3 mit ihrer Kapitänin Carola Rackete im Vergangenen Sommer vor Augen geführt.

In Deutschland haben sich mittlerweile über 100 Kommunen in dem Bündnis „Städte Sicherer Häfen“ zusammengefunden und damit ihre Bereitschaft erklärt, aus Seenot gerettete Menschen zusätzlich aufzunehmen. Damit tragen sie dem Bedürfnis vieler Einwohner Rechnung, dem Sterben von Menschen im Mittelmeer nicht tatenlos zusehen zu wollen.

Denn eine der bekanntesten Geschichten unserer gemeinsamen christlichen Tradition ist die des „barmherzigen Samariters“. Sie ist ein Gleichnis für das Dilemma zwischen grundsätzlichen politischen Überlegungen – die zweifellos geführt werden müssen- und der eigentlich selbstverständlichen und schnellen Hilfe in Not.

Die Situation macht uns, wie viele andere Menschen, betroffen, und wie bereits in der Gemeinderatsklausur angekündigt, stellen wir daher diesen Antrag:

Wir schlagen vor, dass Rutesheim sich dem Bündnis  „Städte Sicherer Häfen“ anschließt und darüber hinaus eine feste Anzahl von Plätzen (z.B. 10) für Personen vorhält, die durch die Seenotrettungsschiffe aufgefischt werden und dann in Europa verteilt werden müssen.

Dafür sollten wir eine noch festzulegende Zahl von Wohncontainern an der Margarete–Steiff-Straße , die in Kürze abgebaut werden sollen, zumindest für ein weiteres Jahr an dieser Stelle belassen. Zusätzlich schlagen vor, im Haushalt 25.000 € für den Bedarfsfall bereit zu halten.  Ob und in welcher Höhe Kosten entstehen würden, und ob diese von Rutesheim alleine getragen werden müssten, ist leider schwer absehbar.
Entscheidender als das rein finanzielle ist die organisatorische Realisierung der Betreuung. Es gibt glücklicherweise eine grundsätzliche Bereitschaft aus dem Umfeld des Freundeskreises Flüchtlinge daran mitzuwirken. Wir sind gewiss, dass im Bedarfsfall weitere Menschen, z.B. aus den Kirchengemeinden zur praktischen Mithilfe bereit sein würden.

Die Dauer der Teilnahme am Bündnis „Städte Sicherer Häfen“ würde abhängig sein von äußeren Randbedingungen und sollte jährlich überprüft werden. Es ist zu hoffen, dass die politischen Akteure in Europa in absehbarer Zeit einen guten und gerechten Verteilungsmechanismus finden, der ein solches Bündnis überflüssig macht.

  • Der Antrag wurde mit Stimmengleichheit im Verwaltungsausschuß abgelehnt. Die Verwaltung hat die Ablehnung empfohlen.

Mehr Infos zu den Sicheren Häfen.

Während Rutesheim gespalten ist, sind andere aktiv geworden. Ärzte ohne Grenzen und die Evangelische Kirche sind zwei namhafte Mitglieder bei United for Rescue. Das ist eine tolle Initiative, die ein Schiff gekauft hat um die Geschichte vom Barmherzigen Samariter im Mittelmeer wahr werden zu lassen. So geht Kirche!

Verpasste Chance.

Ein Kommentar

Das jüngste Neubaugebiet Nördlich Schelmenäcker / Pfuhlweg nimmt erkennbare Formen an. Noch ist kein Haus gebaut, aber der Andrang ist sehr groß. Es ist wichtig und richtig dort erschwinglichen Wohnraum zu schaffen. Zum Beispiel für junge Familien mit Kindern.

Wer an einem schönen Sonntag Nachmittag dort  unterwegs ist, sieht zahlreiche Spaziergänger, einige davon mit Kinderwägen und dazu Kinder mit und ohne Fahrrad. Das wird nach der Bebauung wohl ein Ende haben, denn nach dem Willen des Rutesheimer Gemeinderates wird es dort eine Straße und nur noch einen schmalen Gehweg geben. Der westliche Teil des Pfuhlweges wird als Zufahrt des bestehenden Wohngebietes Schelmenäcker einigen Autoverkehr bekommen, er wird somit quasi zur Durchgangsstraße. Was bisher verboten war. Damit nicht genug: Autos müssen zum Parken den ohnehin schmalen Gehweg überqueren. Ein Alptraum für Eltern mit kleinen Kinder, die für die Fahrer von großen Fahrzeugen oft nur schwer erkennbar sind.

Der östliche Teil führt zwar nur ins Wohngebiet, bekommt aber trotzdem keine Verkehrsberuhigung. Wir haben als GABL immer wieder versucht die Situation an diesem beliebten Spazierweg auch zukünftig für Fußgänger und große und kleine Radfahrer zu erhalten. Vergebens. Selbst eine Kennzeichnung  „Verkehrsberuhigter Bereich (Spielstraße)“ wurde abgelehnt. Dabei spielten -nach meiner persönlichen Meinung- mehr parteipolitische Gründe als Argumente eine Rolle. Das war kein Beitrag zu einer nachhaltigen Mobilität, für die an anderer Stelle in Rutesheim Arbeitskreise nach Lösungen suchen. Hier wäre mit nur wenig Aufwand viel Gutes möglich gewesen. Nun ist es zu spät und es bleibt nur die Hoffnung, dass die zukünftigen Anwohner so vorsichtig fahren, dass Fußgänger und Kinder auch zukünftig die Straße nutzen können. Ich verspreche jedenfalls schon heute, dass ich mitten auf der Straße laufen werde. Mit Rollator oder auch ohne.

Fritz Schlicher

Dauerthema: Gewerbegebiet Gebersheimer Weg

Beim Gewerbegebiet Gebersheimer Weg hatte unsere Fraktion schon sehr frühzeitig fundamentale Einwände:

  1. das Gebiet östlich der Umgehungsstraße ist ökologisch wertvoll und sollte nicht überbaut werden.
  2. die Entwässerung des nicht versickerbaren Niederschlagswassers sollte nicht zusammen mit dem Schmutzwasser über das Kanalnetz sondern getrennt über das Becken der Nordumfahrung und dann Richtung Gebersheim geschehen.

Beides wurde mehrheitlich verworfen. Zum einen aus Kostengründen. Zum anderen bestand für die Flächen östlich der Umgehungsstraße zwar nie ein zwingender Bedarf, sie wurden aber als Puffer für die Umlegung benötigt.

Genau diese Einwände teilt vorraussichtlich das Landratsamt Böblingen und vielleicht auch andere Träger öffentlicher Belange in ihren Stellungnahmen. Die Entwässerung muss überdacht werden. Für die Flächen, die hohe artenschutzrechtlichen Wert besitzen sind weitere Gutachten nötig.

Zunächst hieß es, dass keine vollständiger Ausgleich auf Rutesheimer Markung möglich ist, und ca. 140000 Ökopunkte (=Euro) mit Geld abgelöst und irgendwo anders realisiert würden. Dem haben wir vehement wiedersprochen und eine Liste mit Vorschlägen erarbeitet. Das hat erfreulicherweise zu einem Umdenken geführt. Die Stadtverwaltung ist  selbst tätig geworden und eine Liste mit Vorschlägen augearbeitet, die den vollständigen Ausgleich möglich machen. Die von uns vorgeschlagenen Punkte sind integriert, aber als zukünftige Optionen.

Die abschließende Beratung am 4.11. ergab einstimmige Zustimmung! (Trotz kritischer Kommentare über die Angemessenheit des ökologischen Ausgleichs „viel zu hoch…“ und nicht fehlen darf das Dauerlamento: „wer soll sich dann um die neuen Bäume kümmern?“)

Unsere Stellungnahme dazu:

Für die Fraktion der GABL hat der Naturschutz großen Stellenwert. Daher hatten wir dafür plädiert, den ökologischen Ausgleich für Rutesheimer Baumaßnahmen auch vollständig auf Rutesheimer Markung zu realisieren. Dazu hatten wir eine Liste von Vorschlägen für mögliche Ausgleichsmaßnahmen erarbeitet, mit besonderem Augenmerk auf den Artenschutz und die Aufwertung des Landschaftsbildes. Es freut uns sehr, dass die Anregung aufgegriffen wurden und von der Verwaltung sogar weitere Maßnahmen vorgeschlagen werden. Ob das nun sämtliche Möglichkeiten sind, wie die vorliegende Drucksache ausführt, sei noch dahin gestellt. Aber es gibt nun eine Liste. Das ist ein guter Schritt nach vorne. Und es ist ein gutes Signal, dass über das Kernanliegen, den Ausgleich vor Ort zu erreichen, kein Dissens besteht. Wir denken, dass das ein wesentlicher Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften ist. Wir wollen und können nicht auf Kosten der Natur wachsen. Das Tempo der Massnahmen muss auch nicht zwingend von Fortschritten oder Nicht-Fortschritten am Gebersheimer Weg abhängig sein. Die Punkte gehen auf dem Öko-Konto nicht verloren.

Von einigen Landwirten werden Bedenken geäußert, dass durch den Ausgleich landwirtschaftliche Flächen verloren gehen. Das ist verständlich, aber in diesem Fall nicht zutreffend. Die landwirtschaftlichen Flächen gehen durch die – nach unserer Meinung – um 10000qm zu großzügige Planung des Gewerbegebietes verloren, nicht durch den dadurch erforderlichen Ausgleich. Es hätte uns sehr gefreut in den vorausgegangenen Beratungen die Unterstützung der Landwirte gehabt zu haben und nicht jetzt im Nachhinein die unzutreffende Kritik.

In diesem Zusammenhang muss auch gesagt werden, dass wir  uns ohnehin für weitergehende ökologische Maßnahmen im Rutesheimer Wald ausgesprochen haben. Das beeinträchtigt die Landwirtschaft nicht. Im Gegenteil, Der Wald bekommt zunehmend Bedeutung bei der Abmilderung der Folgen der Klimaveränderung. Der schonende Umbau zum Klimaschutzwald mit geeigneten Baumarten und altersgemischten Beständen bekommt dadurch Vorrang vor wirtschaftlichen Überlegungen. Dieser notwendige Umbau kann, wenn mans geschickt anfängt, auch gleichzeitig als Ausgleich dienen. Mit der vorgeschlagenen Aufforstung am Lärchenberg sind wir definitiv auf dem richtigen Weg.

Den heute vorgeschlagenen Ausgleichsmassnahmen fürs Gewerbegebiet Gebersheimer Weg stimmen wir gerne zu.

Ausgleichsmassnahmen – ein Gewinn für Natur und Mensch

Vorschlag für künftigen Schulweg durchs Bosch-Quartier

Das neue Quartier bietet nicht nur Möglichkeiten für den Wohnungsbau. Ein großzügiger Rad- und Fußweg kann Teil eines neuen Schulwegs sein. Das ist ein Vorteil für Bewohner und Schüler und Passanten.

Rot: bestehender Rad- und Fußweg

Blau: Umwidmung in eine Fahrradstraße

Grün: Rad- und Fußweg durchs zukünftige Quartier.

idealer Weg zur Schule