Kurven 2020

Wie sich die Kurven ähneln.

Beide betreffen Themen, die uns aktuell bewegen. Corona und Klimaerwärmung. Exponentielle Kurven bergen diegroße Gefahr, dass ab einem gewissen Wert die Kontrolle verloren geht und kein Weg mehr zurück führt. Es steht außer Frage: beide Krisen sind weltweit und existenziell bedrohlich für jeden Menschen. Die Kurvenform entscheidet über Schicksale und Zukunft.

Die konsequente Bekämpfung der Pandemie, mit all den gravierenden Einschränkungen ist zweifellos der richtige Weg um Menschleben zu retten und um die Welt vor nachhaltigen Schäden zu bewahren.  Nach Parallelen zwischen den beiden Krisen braucht man nicht lange suchen. Aber die Intensität, mit der die Krisen bekämpft werden, geht weit auseinander. Das mag daran liegen, dass die Coronakrise derart schnell und unübersehbar über uns kam, dass keine Zeit blieb, um zu beschwichtigen und zu verharmlosen. Das tun nur ganz besondere Zeitgenossen, meist mit rechter Gesinnung und in manchen Ländern sogar in Regierungsverantwortung. Die armen Menschen, die sich auf solche Führung verlassen müssen – sie sind wahrhaft verlassen.

Die Klimakrise entwickelt sich dagegen viel langsamer, die Verursacher haben zur Zeit die Chance, dass sie die Auswirkungen weder erleben noch verantworten müssen. Das wird sich wohl in absehbarer Zeit ändern, dafür sorgt die Mathematik.

Es wäre schön – nein – es wäre klug, wenn man trotzdem in verantwortlicher Weise Vorsorge treffen würde. Was man aus Corona lernen kann ist doch das, dass es umso schlimmer und auch umso teurer wird, je länger man abwartet.

Da sind sie wieder, die Parallelen: die meisten Wissenschaftler sind sich einig. Die meisten Menschen sind einsichtig und verantwortungsbewusst. Trotzdem hört die Politik am stärksten auf kurzfristige  wirtschaftliche Interessen, obwohl gerade die Wirtschaft langfristige Perspektiven braucht.

Lieber ein Schrecken mit Ende, als ein Ende mit Schrecken.

Kommunalpolitik in Zeiten von Corona – Nachtrag

Sitzungen per Videokonferenz sind mittlerweile möglich. In Rutesheim wurde dieser Weg allerdings noch nicht genutzt. Sitzungen finden zur Zeit in der Aula des Schulzentrums statt. Die persönliche Anwesenheit und der direkte Austausch sind richtig und wichtig.

Aber es wäre auch klug, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen. Schon alleine um den Umgang damit zu erlernen und zu trainieren. Die Videositzung kann eine sehr gute Ergänzung zu den „körperlichen“ Sitzungen sein. Besser als Beschlüsse im Umlaufverfahren ist es allemal.

Keiner weiß, wie lange die Sitzungen noch unter Hygiene- und Abstandsregeln abgehalten werden müssen. So wie es aussieht, noch eine längere Zeit. Und eine erneute Verschärfung der Situation ist nicht auszuschließen.

Da wäre es gut, vorbereitet zu sein.

Die Diskussionen um die schrittweise Normalisierung des Alltages  bergen immer die Gefahr von Fehleinschätzungen und Rückschlägen. Die Situation ist für jeden unbekannt und Zeitgenossen, die mit scheinbar unwiderlegbaren Erkenntnissen daherkommen, sollte man mit Misstrauen und gesundem Menschenverstand begegnen. Ein Virus ist wie eine Naturkatastrophe. Es ist nicht gerecht und es gibt keinen geheimen Plan. Man muss als Gemeinschaft die Situation akzeptieren und lernen damit umzugehen. Die Anpassungsfähigkeit an unbekannte Herausforderungen ist eine der großen Fähigkeiten der Menschheit. Dabei hat Solidarität und Mitleid immer eine wichtigere Rolle bei der Bewältigung von Krisen gespielt als der geradezu naive Gedanke an das „Überleben der Stärkeren“.

Die Zeit nach der Zwangspause ist dazu da, darüber nachzudenken, was uns wichtig ist, was uns am meisten gefehlt hat und auch über das, was sich als schlecht und unnütz herausgestellt hat.  Schaut man auf die Resultate, manifestiert in der Reihenfolge von Lockerungen, dann kann einem mulmig werden. Es geht viel um Geld. Vielleicht zuviel?

Schön wäre eine echte gesellschaftliche Diskussion. Aber schon wieder fällt man ins alte Lagerdenken zurück und im Grunde gute und sinnvolle Demonstrationen werden von Interessengruppen entweder vereinnahmt oder verunglimpft. Das vertieft die ohnehin viel zu tiefe Spaltung. Dabei darf es nicht bleiben. Wir müssen uns gegenseitig ernst nehmen.

Das ist doch die große Lehre aus der Krise: gerade die wenig hochgeschätzten Tätigkeiten werden zu den wichtigsten, ohne die ein würdiges Leben (und Sterben) unmöglich wäre.

Auf jeden Fall ein großes Danke an alle, die mit viel Durchhaltevermögen und der nötigen Ernsthaftigkeit die Beschränkungen auf sich nehmen.

Bleiben Sie gesund!

„Wir werden die Krise überstehen und vielleicht sogar stärker, solidarischer, besser aus ihr herauskommen“

Wilfried Kretschmann

Haushalt und „sichere Häfen“

Am 27.Januar wurde der Rutesheimer Haushalt 2020 verabschiedet. Die Stellungnahmen der Fraktionen haben Tradition. Sie beschäftigen sich mit dem laufenden Haushalt und sind eine Standortbestimmung der verschiedenen Richtungen. So auch in diesem Jahr, das insofern ein besonderes Jahr war, da auf ein neues Haushaltsrecht umgestellt wurde. Wir meinen, mit der Doppik, so der Name des neuen Haushaltsrechts, gibt es einige Vorteile. Das könnt ihr gerne hier nachlesen. Auch unsere Meinung zu aktuellen Themen. Die Stellungnahmen der anderen vier Fraktionen findet ihr in den Stadtnachrichten oder auf dem Archiv der Webseite der Stadt. Lesenswert ist der Gedanke der CDU mittels Sprüche 24,4 einen direkten Bezug zwischen unserem Haushalt und der Bibel herzustellen. Eine gewagte Verneigung vor dem „C“ im Parteinamen. Aber in der Tat: Weisheit und Einsicht (wie in Sprüche 24 gepriesen) werden sichtbar: Die Reden beinhalten erfreulich viel Umwelt- und Klimaschutz. Das Thema ist angekommen. Ein Grund sicher der, dass es ein gesellschaftliches Mainstream Thema geworden ist. Der andere ist der, dass wir das Thema im Rat gut und glaubhaft mit Engagement und Fachkenntnissen vertreten. Diese Kombination macht Mut: uns als Fraktion zum Weitermachen und den Lesern zum Mitgestalten.

Im Vorfeld haben wir einen Antrag gestellt, mit dem Inhalt, dass Rutesheim dem Bündnis „Sichere Häfen“ beitreten sollte. Also Unterkünfte und Hilfe für aus Seenot gerettete Menschen vorzuhalten. Den Antrag könnt ihr hier nachlesen. Er wurde in nicht-öffentlicher Sitzung im zuständigen Verwaltungsausschuss mit Stimmengleichheit abgelehnt. Wir hätten auf eine nochmalige Abstimmung im Gesamtgemeinderat gedrängt. Aber da die Verwaltung eine ablehnende Haltung vertritt, wäre es ein hoffnungsloses Unterfangen geworden. Wir denken, mit der sehr gespaltenen Meinung im Rat könnten wir an anderer Stelle gemeinsam etwas Gutes erreichen. Warum keine Projektpartnerschaft oder Städtepartnerschaft mit einem der Herkunftsländer der Migrant*innen? Wir werden sehen.

Im SPIEGEL 6/2020 erschien dazu ein interessanter Artikel. Er beschreibt sehr gut das parteiübergreifende Dilemma.

Grüne Kreuze für die Bienen

Feldkreuz amHeimerdinger Kreisverkehr, Okt. 2019

Bauer Willi‘s“ Aktion mit den grünen Kreuzen auf Feldern ist endliich auch bei uns angekommen. Der letzte Auslöser war wohl das drohende Bienen-Volksbegehren, das den Landwirten Sorge bereitet, denn damit soll der Chemieeinsatz auf ihren Feldern eingeschränkt werden.  

Die Kreuze stehen also nicht etwa für die vielen Kleintiere und Insekten, die in den vergangenen Jahrzehnten still verschwunden sind. Nein. Es geht viel um Besitzstandswahrung und Existenzängste, aber auch darum, dass sich Landwirte nicht gerne von verwöhnten, ahnungslosen Großstädtern Vorschriften machen lassen.

Kann man irgendwie verstehen, aber eine Blockadehaltung hilft auch nicht weiter. Wasser, Böden, Tiere und auch die Menschen, die dort leben, essen und arbeiten sind bedroht. Glyphosat ist sehr umstritten. Also muss man eine Lösung finden, die langfristig trägt.

Die Leute vom Volksbegehren stehen in Verhandlungen mit der Landesregierung und haben solange die Werbung für die Aktion völlig gestoppt. Den Landwirten hätte es darum gut zu Gesicht gestanden auch ihre grünen Kreuze wieder einzusammeln. Es wäre ein guter Beitrag zum sozialen Frieden und zu konstruktiven Gesprächen gewesen.

Das geschieht offenbar nicht. Schade. Aber glücklicherweise hatte ein Zeitgenosse Mitleid und am Heimerdinger Kreisel mit einer Verschönerungsaktion den Kreuzen ein freundlicheres Aussehen und nebenbei eine ganz neue Bedeutung verschafft. Sehr gelungen. Vielleicht sogar nachahmenswert. Frage ist nur: wo bekommt man die netten Schmetterlinge und Bienen her?

gleiches Feldkreuz am 3.11.2019