Waldkindergarten – ein alter Wunsch wird wahr.

Gedanken von Harald Brunner

Die Idee „Waldkindergarten“ oder „Naturkindergarten“ stammt aus  Skandinavien. Im Waldkindergarten erfahren Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren Erziehung, Bildung und Betreuung. Die meisten Aktivitäten finden außerhalb fester Gebäude statt, meist eben  im Wald.

Im Waldkindergarten soll ein natürlicher Bezug zur Natur hergestellt werden. Das kann geschehen durch die Förderung der Sinneswahrnehmung, die Förderung der Motorik und durch „soziales Lernen“. Kritisiert wird an diesem Konzept, dass durch die Festlegung auf die Bereiche Wald und Natur andere wichtige Themen des kindlichen Lebens nicht ausreichend berücksichtigt würden, etwa der Umgang mit Medien.

1. Entstehungsgeschichte

Waldkindergärten unterscheiden sich von herkömmlichen Kindergärten vor allem dadurch: Die Kinder halten sich nicht in Gebäuden, sondern im Freien  auf, und sie stellen ihre Spielzeuge selbst her, aus Dingen, die sie in der umgebenden Natur vorfinden.

 Ende der 70er Jahre entstand der erste Waldkindergarten in Deutschland – inspiriert von Waldkindergärten in Skandinavien. Seit den 1990er Jahren ist ihre Zahl in Deutschland stark gestiegen:  Wald-,  Wiesen- oder Naturkindergärten sind inzwischen weit verbreitet.

2. Ziel

Waldkindergärten möchten Kinder zu einem sorglichen Umgang mit der Natur hinführen. Kinder haben zudem heute viel weniger Umgang mit Natur; dieser Mangel an Erfahrung soll ausgeglichen werden, ebenso der heute häufige Mangel an Bewegung. In enger Verbundenheit mit der Natur erleben die Kinder alle Jahreszeiten; sie lernen, „ganzheitlich“ wahrzunehmen. Sie sollen Achtsamkeit auf Mensch und Natur üben.

3. Bild vom Kind

Kinder gehören nach draußen und nicht in Räume – dieser Gedanke steht hinter den Wald- und Naturkindergärten. Kinder können sich draußen besser und freier bewegen, sind weniger eingeengt, können freier lernen. Sie sind weniger Reizen ausgesetzt wie in Räumen und werden durch den Aufenthalt an der frischen Luft auch seltener krank. Deshalb bietet nach Sicht der „Waldpädagogen“ der Aufenthalt draußen nur Vorteile für die Kinder. Das selbstständige Erkunden der Welt, die unmittelbare Verbundenheit mit der Natur und das Lernen mit allen Sinnen ermöglichen eine „ganzheitliche“ Entwicklung.

4. Rolle der Fachkraft

Die Aufgabe der Fachkraft ist auch im Wald das Bilden, Erziehen und Betreuen der Kinder, allerdings unter veränderten Vorzeichen. Die zahlreichen Anregungen, die die Natur in ihrem Wandel bietet, ist Grundlage für das pädagogische Handeln. Kinder  sollen sensibilisiert werden für die Veränderungen in der Natur, sie sollen  Tier und Umwelt schätzen lernen, sie sollen sich viel bewegen können. Auf all dies muss eine gute Fachkraft hinwirken.

5. Methoden und Materialien

Wer den „Raum als dritten Erzieher“ sieht, versteht schnell, welche große Rolle das Wegfallen von geschlossenen Räumen spielt. Im Waldkindergarten sind Kinder bei jedem Wetter und das ganze Jahr über im Freien und erleben hautnah den Wandel der Jahreszeiten mit allen Veränderungen in der Natur. Fällt Schnee, gefriert das Wasser in Pfützen, dann wärmen sich die Kinder an einem kleinen Feuer und bei warmem Tee. Im Frühjahr erleben die Kinder, wie das „Leben“ in die Natur zurückkehrt. Im Herbst finden sie  Kastanien, Bucheckern und andere Waldfrüchte. Und rund ums Jahr finden Kinder Stöcke, Blätter und Zweige, die als Spielmaterialien dienen. Diese breite Anregung, die die Natur von sich aus bietet, fordert und fördert Phantasie und Kreativität der Kinder.

Bauwagen auf dem Lerchenberg

Rutesheim – Die Zeit der Romantik ist vorbei, in der ein paar Enthusiasten einen alten Bauwagen in den Wald stellten, um in Eigenregie einen Kindergarten der besonderen Art für ihren Nachwuchs zu stemmen. Heute gelten extrem strenge Vorschriften für ein solches Vorhaben. Das musste auch die Stadt Rutesheim feststellen. Es war gar nicht so einfach eine guten Standort zu finden.

„Es war ein kompliziertes Unterfangen,“ sagt  Bürgermeisterin Susanne Dornes im Rückblick. Ein Waldkindergarten darf nicht mehr so einfach im Wald errichtet werden, der nächste Baum muss aus Sicherheitsgründen mindestens 30 Meter weit entfernt stehen. „Da hat sich aber eine gute  Kooperation mit der evangelisch-methodistischen Kirche ergeben,“ freut sich die Rathauschefin. Der Kirchengemeinde sei es immer schwerer gefallen, ihren großen Spielplatz  zu pflegen. „Für die Stadt hat es sich als idealer Standort erwiesen, denn der Wald ist trotzdem nahe und das Gelände gut erreichbar,“ so die Bürgermeisterin.

„Einige Kinder sind bereits für die neue Gruppe angemeldet,“ berichtet Evelyn Quast, die Geschäftsführerin des Trägers, der „co.natur gGmbH“, die früher als Verein „Naturkinder Flacht“ firmierte.  „Es dürfen aber gerne noch mehr Kinder sein, besonders direkt aus Rutesheim.“

Die GABL Rutesheim unterstützt seit Beginn den Waldkindergarten. Erste Anfragen im VA Verwaltungsausschuss durch Harald Brunner und Claudia  Berner brachten den Stein in Rollen.

Wir freuen uns sehr das die aktive Zeit nun beginnen kann.

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